Bewegung rund um die Bucht
Die Piratenbucht soll verkauft werden und es wird einfach nicht still. Zuerst gibts ein Archiv aller Torrents von The Pirate Bay. Stolze 21,3GB umfasst der Torrent.
Die Hydra ist nicht tot zu kriegen, das ändert auch nicht, dass Black Internet gestern auf Grund einer gerichtlichen Verfügung vor Hintergrund des Spectrials die Anbindung gekappt wurde. Kurz darauf ging TPB von einem anderen IP-Range und mit ihrer Version einer Churchill-Rede online. Die Jungs von der Bucht nehmens mit Humor und schicken der Contentmafia ein ganz spezielles T-Shirt zu. Weniger zu lachen gibts währenddessen bei Black Internet, weil sie Infrastruktur angegriffen sehen, was natürlich auch ihren Kunden schadet. Inwiefern das mit dem Takedown der Piratenbucht zu tun hat, ist noch nicht geklärt, auf jeden Fall ermittelt die schwedische Polizei in der Sache.
Es gibt auch Neuigkeiten zum geplanten Verkauf. So hat Global Gaming Factory X einen ersten Vertragspartner für sein legales Lizenzmodell vorgestellt. Doch BREIN weitet die Klage gegen die Bucht in den Niederlanden auch auf GGF aus. Und das, obwohl ein Kauf noch immer nicht sicher ist, weil in vernünftiges Geschäftsmodell zu fehlen scheint. Man darf gespannt sein, was nun am Tag X, dem 27. August, geschieht.
Was wird aus der Bucht?
Mit The Pirate Bay wurde mein ganz persönlicher Lieblingstracker verkauft. Denn die Piratenbucht war mehr als nur ein Torrent-Tracker, es war die Hochburg des Widerstands gegen die Musik- und Filmindustrie, Platz freier Meinungsäußerung und Flaggschiff gegen Zensur. Und eben immer eine gute Anlaufstelle für Downloads aller Art.
Nun wurde The Pirate Bay für 5,5 Millionen Euro an Global Gaming Factory X (GGF) verkauft. Dafür gabs alle Tracker-Domains, den Quellcode der Bucht und ein Datenbank-Abbild. Von Statten gehen soll die Übergabe am 27. August, also in nicht mehr ganz 3 Wochen. Ziel von GGF ist es, aus der Piratenbucht eine legale Torrent-Seite zu machen und auch an der Börse notiert zu sein. Das steht völlig im Kontrast zu dem, was TPB vorher war, denn die Nutzung war schlicht und einfach kostenlos. Wahrscheinlich erhofft sich GGF durch den Kauf, dass viele User sich plötzlich dazu entschließen für ihre Torrents zu bezahlen. Ich zweifle daran!
Weniger Zweifel hatte wahrscheinlich der CEO von Napster, als er GGF 10 Millionen US$ für TPB bot. Die lehnten jedoch ab!
Piratenpartei: Was wollen die eigentlich?
Man hört ja immer wieder von der Piratenpartei, auch in den Printmedien. Außerdem wurden sie zur Bundestagswahl zugelassen.
Nur was wollen die eigentlich? Kostenlos Musik saugen, oder? Das hab ich nun schon öfter gehört, wahrscheinlich, weil viele da eine Verknüpfung zur The Pirate Bay sehen. Auch liest man solche Aussagen leider immer wieder in der Presse. Aber das stimmt so nicht und außerdem steckt einiges mehr hinter der Piratenpartei!
IFPI fordert Netzzensur von ISPs
Mit ihren Vorschlägen in einem Positionspapier, welches an das EU-Parlament gerichtet ist, fordert die IFPI ISPs dazu auf, dass sie den Traffic ihrer Kunden nach den Wünschen der IFPI zensieren!
Einmal sollen bestimmte Protokolle geblockt werden, wenn diese Protokolle "mit verschiedenen Datentransfers assoziiert sind", wobei auch legale Angebote wie Jamendo, UrT oder diverse Linux-Distributionen diese Protokolle verwenden. Dabei ist man bei der IFPI wieder komplett blind gegen mögliche Folgeschäden durch diese Blockkaden. Ich denke, viele WoW-User fänden es alles andere als amüsant, wenn sie plötzlich stundenlang auf ihre Updates warten müssten, weil die WoW-Server durch einen großen Ansturm überlastet sind, weil ISPs einfach das BitTorrent-Protokoll blockieren.
Dann soll der ISP im Traffic seiner Kunden nach Audiodateien schnüffeln und in einer Datenbank abgleichen, ob die Datei verbreitet werden darf oder nicht. Hier könnte die IFPI auch Dateien von IFPI-feindlichen Künstlern aufnehmen und diese Blockieren, da die IFPI die Datenbank für dieses Vorgehen stellen will. Dann würde es wieder mal Personen treffen, welche damit nichts zu tun haben.
Ausserdem ist es kein beruhigendes Gefühl, dass mein ISP in meinem Traffic rumschnüffelt. Aber Schnüffelei scheint bei der EU gerne gesehen, anders kann man auch die Vorratsdatenspeicherung nicht erklären!
Als letzte Möglichkeit sollen bestimmte Webseiten blockiert werden. Z.B. unsere schwedischen Freunde der Piratenbucht oder die russischen Vertreter kostengünstiger Musik AllOfMP3. Dass solche Seiten auch oftmals Chancen für neue und gegenüber der IFPI unabhängige Künstler bedeuten wird hier ignoriert.
Ich bin, wer hätte es gedacht, eindeutig gegen solche Zensur-Massnahmen, vorallem wenn das ganze EU-weit durchgeführt werden soll. Anscheinend scheinen die Befürworter des ganzen sich keine Gedanken darüber zu machen, was sie da eigentlich beschlossen haben wollen! Es bleibt nur zu hoffen, dass diesmal der Protest des Volkes, welches eigentlich vertreten und nicht in seinen Rechten eingeschränkt, mundtot gemacht und überwacht werden soll, hilft, falls das EU-Parlament einen Beschluss dieser Zensur durchbringen will!