Was wird aus der Bucht?
Mit The Pirate Bay wurde mein ganz persönlicher Lieblingstracker verkauft. Denn die Piratenbucht war mehr als nur ein Torrent-Tracker, es war die Hochburg des Widerstands gegen die Musik- und Filmindustrie, Platz freier Meinungsäußerung und Flaggschiff gegen Zensur. Und eben immer eine gute Anlaufstelle für Downloads aller Art.
Nun wurde The Pirate Bay für 5,5 Millionen Euro an Global Gaming Factory X (GGF) verkauft. Dafür gabs alle Tracker-Domains, den Quellcode der Bucht und ein Datenbank-Abbild. Von Statten gehen soll die Übergabe am 27. August, also in nicht mehr ganz 3 Wochen. Ziel von GGF ist es, aus der Piratenbucht eine legale Torrent-Seite zu machen und auch an der Börse notiert zu sein. Das steht völlig im Kontrast zu dem, was TPB vorher war, denn die Nutzung war schlicht und einfach kostenlos. Wahrscheinlich erhofft sich GGF durch den Kauf, dass viele User sich plötzlich dazu entschließen für ihre Torrents zu bezahlen. Ich zweifle daran!
Weniger Zweifel hatte wahrscheinlich der CEO von Napster, als er GGF 10 Millionen US$ für TPB bot. Die lehnten jedoch ab!
Die GEMA-Petition
Die GEMA, das ist eine lustige Gesellschaft, die sich darum kümmert, dass die Künstler ganz viel Geld bekommen. Damit die auch kreativ sind und so. Und damit das funktioniert musst du, ich und alle anderen Leute in Deutschland Abgaben zahlen. Zum Beispiel für eine CD. Oder neuerdings soll das auch für einen USB-Stick sein. Die Einnahmen kommen dann in einen großen Topf und werden gerecht an alle Künstler bei der GEMA verteilt. Oder auch nicht, vllt geht das auch einfach nur an die Major-Labels oder so. Denn wie genau man rausfindet, wer was bekommt, das weiss keiner. Und eigentlich ist für die GEMA auch uninteressant, welche Titel gespielt werden, hauptsache sie bekommen viel Geld! Um das zu erreichen schicken die einfach Rechnungen an Konzertveranstalter. Ob da nun Material gespielt wurde, dessen Urheberrechte bei der GEMA liegen, interessiert die GEMA nicht. Wenn ihr als Band bei der GEMA seid und euer eigenes Konzert organisiert, auf dem ihr nur euer eigenes Material spielt, dann bittet euch die GEMA auch zur Kasse und ihr seht nichts von dem Geld. Oder wenn ihr als Firma eine Telefon-Anlage mit Musik habt.
Hoffentlich bleibt auch alles beim Alten, denn so müssen grandiose Webradios wie Radio Willste.Net die Pforten schließen, Künstler sehen nichts von dem Geld und Veranstalter müssen sich mit idiotischen Forderungen auseinandersetzen. Wirklich eine Schande, dass mehr als 80.000 Deutsche dafür sind die Vereinbarkeit des Grundgesetzes mit der GEMA zu überdenken.
Keine Internetsperre, dafür Freibrief bei der VDS
Die EU stimmte gegen den Vorschlag, dass Filesharer bei wiederholten Vergehen ihren Internetzugang verlieren.
So weit, so gut. Anscheinend sind ihnen ihre Bürger doch was wert.
Nur die Politiker der Krauts sehen ihre Bürger mal wieder als Feinde und lassen sich brav vor den Karren der Musikindustrie spannen. So sieht sich nun das geistige Eigentum geschützt. Und wer hat das Nachsehen? Die Bürger.
Dank laschen Forumlierungen (Stichwort "im gewerblichen Ausmaß") und komischen Merkmalen ("große Dateigrößen" und "hohe Qualität") mit viel Interpretationsspielraum darf nun eine Industrie Verkehrsdaten anfordern, um so ihre neu erhaltenen zivilrechtlichen Auskunftsansprüche zu nutzen. Dass die Daten so genutzt werden, so hiess es noch bei Einführung der Vorratsdatenspeicherung, sei nicht beabsichtigt und die Daten sollten nicht von irgendwelchen Industrien sondern nur von der Datenkrake Staat genutzt werden.
Wie sehr sich unsere Frau Zypries an ihre Aussagen hält, sieht man nun.
Die Regierung hofft, dass durch dieses Gesetz die Behörden zur Strafverfolgung entlastet werden. Aber ich zweifle ehrlich gesagt daran, die Musikindustrie wird sicher nicht aufhören ihre Kunden mit Massenklagen zu überhäufen, obwohl vorher ein Richter das ganze absegnen muss.
Trotzdem wird da der Datenschutz seiner Bürger vom Staat hinten an gestellt und stattdessen das Interesse eine Industrie vertreten, was mir garnout gefällt. Wenigstens wurde ausnahmsweise nicht der Terrorismus als Begründung für sinnlose Gesetzte verwendet.
IFPI fordert Netzzensur von ISPs
Mit ihren Vorschlägen in einem Positionspapier, welches an das EU-Parlament gerichtet ist, fordert die IFPI ISPs dazu auf, dass sie den Traffic ihrer Kunden nach den Wünschen der IFPI zensieren!
Einmal sollen bestimmte Protokolle geblockt werden, wenn diese Protokolle "mit verschiedenen Datentransfers assoziiert sind", wobei auch legale Angebote wie Jamendo, UrT oder diverse Linux-Distributionen diese Protokolle verwenden. Dabei ist man bei der IFPI wieder komplett blind gegen mögliche Folgeschäden durch diese Blockkaden. Ich denke, viele WoW-User fänden es alles andere als amüsant, wenn sie plötzlich stundenlang auf ihre Updates warten müssten, weil die WoW-Server durch einen großen Ansturm überlastet sind, weil ISPs einfach das BitTorrent-Protokoll blockieren.
Dann soll der ISP im Traffic seiner Kunden nach Audiodateien schnüffeln und in einer Datenbank abgleichen, ob die Datei verbreitet werden darf oder nicht. Hier könnte die IFPI auch Dateien von IFPI-feindlichen Künstlern aufnehmen und diese Blockieren, da die IFPI die Datenbank für dieses Vorgehen stellen will. Dann würde es wieder mal Personen treffen, welche damit nichts zu tun haben.
Ausserdem ist es kein beruhigendes Gefühl, dass mein ISP in meinem Traffic rumschnüffelt. Aber Schnüffelei scheint bei der EU gerne gesehen, anders kann man auch die Vorratsdatenspeicherung nicht erklären!
Als letzte Möglichkeit sollen bestimmte Webseiten blockiert werden. Z.B. unsere schwedischen Freunde der Piratenbucht oder die russischen Vertreter kostengünstiger Musik AllOfMP3. Dass solche Seiten auch oftmals Chancen für neue und gegenüber der IFPI unabhängige Künstler bedeuten wird hier ignoriert.
Ich bin, wer hätte es gedacht, eindeutig gegen solche Zensur-Massnahmen, vorallem wenn das ganze EU-weit durchgeführt werden soll. Anscheinend scheinen die Befürworter des ganzen sich keine Gedanken darüber zu machen, was sie da eigentlich beschlossen haben wollen! Es bleibt nur zu hoffen, dass diesmal der Protest des Volkes, welches eigentlich vertreten und nicht in seinen Rechten eingeschränkt, mundtot gemacht und überwacht werden soll, hilft, falls das EU-Parlament einen Beschluss dieser Zensur durchbringen will!